Startseite REIHE THEOLINGUISTICA - alle Bände IAK Theolinguistik in Miskolc 2017 IAK Theolinguistik in Brno/Brün 2016 IAK Theolinguistik in Sankt Petersburg 2015 IAK Theolinguistik in Banska Bystricá 2014 IAK Theolinguistik in Budapest 2012 IAK Theolinguistik in Prag 2011 IAK Theolinguistik in Wroclaw 2010 IAK Theolinguistik in Freiburg 2010 IAK Theolinguistik in Jena 2009 IAK Theolinguistik in Wroclaw 2008 IAK Theolinguistik in Kouvola 2008 IAK Theolinguistik in Bochum 2007 IAK Theolinguistik in Wroclaw 2006 LITERATURSCHAU

IAK Theolinguistik in Sankt Petersburg 2015:



Allgemein:
Über uns
Impressum
Haftungshinweis


IAK Theolinguistik in Sankt Petersburg 2015


während der 23. Linguistik- und Literaturtage der Gesellschaft für Sprache und Sprachen (GeSuS) vom 22. bis zum 24. Juni 2015 in St. Petersburg (Russland).




Nach oben

Die gastgebende Universität in St. Petersburg 



Nach oben

Leitung des AKs "Theolinguistik" vor Ort:

• Dr. theol. habil., Dr. phil. Elżbieta Kucharska-Dreiß (Universität Wrocław, Polen)
• Univ.-Prof. Dr. Valentina Stepanenko (Irkutsk, Russland)


Thematischer Schwerpunkt des AKs:
KRIEG und FRIEDEN in den Texten der religiösen Kommunikation

Beschreibung:
Bei „Krieg und Frieden“ denkt man in erster Linie womöglich an den gleichnamigen Roman von Lew Nikolajewitsch Tolstoi, in dem die militärischen, politischen und sozialen Machtkämpfe das Leben und Lieben der Romanfiguren gewaltsam durchdringen. Freilich steht in diesem Klassiker der Weltliteratur die Epoche der Napoleonischen Kriege im Vordergrund, doch erweist sich die Reflexion über das Ineinander, das Gegeneinander und das Nebeneinander von Krieg und Frieden als jederzeit aktuell. Auch in der Zeit, in der wir gerade leben.
So wie Krieg und Frieden den ganzen Menschen beeinflussen, so findet die Reflexion darüber in verschiedenen Lebensbereichen und – auf der akademischen Ebene – in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Teildisziplinen statt. Als Theolinguisten, die sich per se an der Schnittstelle von Religion/Theologie und Sprache bewegen, möchten wir diesmal folgenden Fragen nachgehen:
• Inwiefern wird in den Texten der religiösen Kommunikation auf Krieg und Frieden (als Phänomene) Bezug genommen? Welche Aspekte von Krieg und Frieden werden thematisiert?
• Wie werden die Begriffe ʻKriegʼ und ʻFriedenʼ in diesen Texten profiliert?
• Wofür stehen Krieg und Frieden, wenn sie in den Texten der religiösen Kommunikation metaphorisch verwendet werden? Welche frames und scripts werden dabei aktiviert?
Willkommen sind Referate, die sich mit diesen und verwandten Themen auseinandersetzen, unabhängig von der Glaubensgemeinschaft, deren Texte untersucht werden. Den Terminus ‚religiöse Kommunikation‘ wollen wir bewusst weit halten, daher können offizielle Dokumente der Kirchen genauso gut analysiert werden wie (kirchliche) Massenmedien, Texte gottesdienstlicher Feier (z.B. Passagen aus den Heiligen Schriften, Gebete, Predigten, Kirchenlieder) oder Schriften religiöser Denker.




Nach oben

REFERATE:

Marianne Franz, Universität Innsbruck, Österreich: „Auf zum Schwur, Tiroler Land„: Martialische Sprache eines Kirchenliedes als Zankapfel zwischen Politik und Kirche
Wie wird ein Kirchenlied zum Politikum? Im Jahr 1999 gab die Diözese Innsbruck (Österreich) wegen „überzogener Kriegs- und Schwurtöne„ eine Neuvertextung des Liedes „Auf zum Schwur, Tiroler Land„ in Auftrag. Dieses 1896 komponierte Lied erinnert an das Herz-Jesu-Gelöbnis der Tiroler Stände anlässlich der drohenden napoleonischen Invasion im Jahr 1796. Die angestrebte Neufassung des Liedtextes löste starken öffentlichen Protest aus, der in den Tageszeitungen ganz Österreichs rezipiert wurde und schließlich dazu führte, dass dem öffentlichen Druck nachgegeben und die alte Version des Liedes beibehalten wurde.
Der Vortrag setzt sich mit der Frage auseinander, wie die martialischen Töne des Kirchenlieds „Auf zum Schwur, Tiroler Land„ heute (zu Friedenszeiten) „geframed„ werden, und zwar zum einen aus religiöser Sicht (seitens der Kirche) und zum anderen aus profaner Sicht (seitens „des Volkes„). Welche Bedeutung hat dieses Lied offenbar für „die TirolerInnen„?
Dazu wird der öffentliche Diskurs zum sogenannten „Liederstreit„ untersucht; das Korpus besteht aus rund 60 Texten (überwiegend Zeitungsartikel sowie Briefe und E-Mails). In Anlehnung an das DIMEAN-Modell (diskurslinguistisches Mehr-Ebenen-Analyse-Modell nach Warnke / Spitzmüller 2008) werden etwa Aspekte analysiert wie
- Schlüsselwörter (z. B. Heimat, Identität, traditionsbewusst),
- Metaphern (z. B. heimliche Hymne des Alpenlandes, Kulturkampf, die Waffen klirren hören) und
- Argumentationsmuster für und gegen die Neufassung des Liedes (z. B. der Topos vom gesellschaftlichen Nutzen: Das Vorhaben der Neuvertextung könne der Gemeinschaft der Kirche nur schaden). (vgl. Wengeler 2008, 2003)
Auf Basis der gewonnen Daten soll schließlich auf Aspekte der Tiroler Mentalität im Spannungsfeld zwischen Katholizismus und Patriotismus geschlossen werden. Mentalität wird dabei mit Hermanns verstanden als die Gewohnheiten einer sozialen Gruppe hinsichtlich ihres Denkens, Fühlens, Wollens und Sollens (vgl. Hermanns 1995: 77).

Tamara Hardi Magyar, University Szèchenyi Istvàn, Hungary: Comperative semantic analalysis of the Italian religous press. The religous language use
Our work has been designed to display two pieces of Italian printed press production dealing with religious topics focusing on parlance analysis.
Beyond language and parlance policy issues primary objective is the analysis of vocabulary semantic investigations completed with lexical-semantic, stylistic and context observations.
Setting out from the individual examples taken from the standard language modification of their meaning, process of changing of their transitivity respecting modifications of their designation particularly in case of the words poor and sin.
Analysis of different articles transparently displays significant modifications of several lexical elements possessing a wild range of lexical modifications comparing to standard language acquisition.
Applying a graet variety of vocabulary, lexical, cohesive methodology strategy introduction of religious news articles are completed with a comperative analysis of the indivudual articles.

Elzbieta Kucharska-Dreiß, Universität Wroclaw, Polen: Präsenz von KRIEG und FRIEDEN im deutschen "Gotteslob"
Als Grundlage der Analyse dient das „Gotteslob plus auf CD-ROM. Version 2.0. Das Programm zur Gestaltung der Liturgie mit dem gesamten Lied- und Textbestand der Stammausgabe und allen Diözesananhängen Deutschlands„ (2011). Ausgewertet wird somit die digitale Version der gedruckten Gotteslob-Ausgabe, die für die Katholiken in Deutschland bis zum vergangenen Jahr verbindlich war und v.a. in Gottesdiensten und Andachten standardmäßig verwendet wurde.
Geht man davon aus, dass das „Gotteslob„ ein Makrotext ist, so wird im Referat erstens vor Augen geführt, in welchen (Mikro-)Texten (als Repräsentanten einer bestimmten Textsorte, z.B. ‚Lied‘, ‚Gebet‘ u.a.) die Lexeme Krieg und Frieden vorkommen. Zweitens wird der nähere (liturgische) Kontext der betreffenden Aussagen mit Krieg und Frieden festgehalten und die Intention dieser Aussagen ermittelt. Drittens werden die Aussagen unter satzsemantischen Gesichtspunkten analysiert, wobei auch die konkrete (Unter-)Bedeutung der untersuchten Lexeme in dem jeweiligen Beleg ausgearbeitet wird. Für Frieden beispielsweise reicht das Spektrum der Facetten von der ‚Abwesenheit von Krieg‘ über das ‚friedvolle Miteinander‘ bis hin zur ‚Geborgenheit in Gott‘ und einem ‚umfassenden Heilsein‘ einerseits, sowie vom Bestandteil der Grußformel bzw. des Entlassungsrufes (im Gottesdienst) bis hin zu einem Attribut oder sogar einem Beinamen Gottes (z.B. in Bittandachten und Litaneien) andererseits.
Wo es ertragreich erscheint, wird auch auf Lexeme geschaut, die mit Krieg und Frieden semantisch verwandt sind.

Ewa Piasta, Jan-Kochanowski-Universität, Institut für Fremdsprachen, Polen: „… nicht nur der lichte Tag, auch die Nacht hat ihre Wunder„. Kampf als Kehrseite des Friedens in den Erzählungen Gertrud von le Forts
Gertrud von le Fort, die Schriftstellerin, Konvertitin und christliche Denkerin, überlebte den ersten und zweiten Weltkrieg, was tiefe Spuren in ihrer Welt- und Menschensicht sowie ihren Werken hinterlassen hat. In vielen Erzählungen knüpft sie an das Thema des Krieges und Friedens an und versteht beides sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch. Den Ausgang für meine Forschungen wird die Schrift Unser Weg durch die Nacht von le Fort bilden, in der sie den Einfluss des Glaubens auf das Erleben des Krieges schildert.
Ziel des Beitrags wird es sein, anhand der drei Erzählungen Die Letzte am Schafott, Die Frau des Pilatus, Die letzte Begegnung auf folgende Fragen zu antworten: In welchem Kontext tritt in den Werken le Forts der Krieg, Kampf und Frieden auf? Welche Funktion haben in ihren Erzählungen diese Phänomene? Welche Bedeutung wird dem Krieg, Kampf und Frieden beigemessen? Was für Gewinn können die Schrecken des Krieges bringen?

Slawomir Plusa, Katholische Universität in Lublin, Polen: Kampf gegen Dämonen als Weg zum Frieden. Sprache und anthropologischer und theologischer Kontext des Befreiungsgebets
Kampf gegen Dämonen ist so alt wie das Christentum. Jesus aus Nazareth ist von Gott gekommen, um die Werke des Teufels zu vernichten. Die Bibel beschreibt den geistigen Krieg als Kampf des Lichtes gegen die Finsternis, der Wahrheit gegen die Lüge, des Christen gegen seine dämonischen Feinde (vgl. Eph 6,12). Das Wirken des Satans richtet sich gegen die menschliche Natur, gegen Frieden, den Jesus Christus im menschlichen Herzen stiftet. Der Teufel will dem von Christus erlösten Menschen seine Freiheit wegnehmen.
In der christlichen Spiritualität und in der Praxis nicht nur der katholischen Kirche sind verschiedene Befreiungsgebete bekannt. In meinem Aufsatz will ich die Sprache dieser Gebete in ihrem anthropologischen und theologischen Kontext untersuchen. Diese Analyse soll zeigen, worauf die Hoffnung gründet, die dämonischen Kräfte besiegen und der menschlichen Seele wieder den Frieden schenken zu können.

Georg Schuppener, Univerzita sv. Cyrila a Metoda v Trnave, Slowakei: Geklebter Glaube – Glaubensäußerungen auf rechtsextremen Aufklebern als Kriegserklärung gegenüber dem Christentum
Aufkleber werden in der Werbewirtschaft oft als „Miniplakate„ bezeichnet. Spezifisch ist für sie, dass sie vielfach auf kleinstem Raum eine konzentrierte Sprache-Bild-Kombination präsentieren, über die die intendierte Botschaft transportiert werden kann und soll. In diesem Fall zählen sie zu den multimodalen Texten, die in der jüngeren Vergangenheit verstärkte Aufmerksamkeit durch die Textlinguistik erfahren haben.
Neben der Werbefunktion haben Aufkleber in der Regel auch eine Bekenntnisfunktion, d.h. sie geben programmatische Auskunft über Überzeugungen und Wertvorstellungen derjenigen, die sie verwenden. Gerade dieser Aspekt macht sie aus theolinguistischer Sicht betrachtenswert.
Der Beitrag will sich einem speziellen Aspekt des doch recht weiten Spektrums widmen, nämlich Aufklebern mit Glaubensäußerungen aus der rechtsextremen Szene. Dabei sollen sowohl die sprachlichen und bildlichen intertextuellen Bezüge identifiziert werden als auch die politisch motivierten Besonderheiten der untersuchten Aufkleber, die gemeinhin in einem Kontrast zur christlich geprägten Mehrheitsgesellschaft zu finden sind.

Valentina Stepanenko, Eurasisches Linguistisches Institut in Irkutsk, Russland: Der Krieg zwischen dem Sakralen und dem Profanen (anhand von Beispielen aus aktuellen russischsprachigen Medien)
In jedem menschlichen Sozium kann man beobachten, wie alle Erscheinungen, Prozesse, Objekte und Symbole in eine Sphäre des Sakralen und eine des Profanen getrennt werden. Sakrale Objekte und Symbole werden in der Regel der profanen Welt, der Alltagswelt gegenüber gestellt. Vor gar nicht langer Zeit schien es noch alleine der Theologie vorbehalten, über Heiliges zu sprechen. Im 20. Jh. hat sich das verändert: Das Sakrale wurde säkularisiert. Der Begriff des Göttlichen ab. Sakralen löst sich immer mehr vom Begriff des Göttlichen ab.
In der modernen Welt wird das Sakrale nicht mehr nur als „Sphäre des Göttlichen„, des Transzendenten definiert, sondern auch als Sozialer Raum, abgegrenzt und vor Profanierung geschützt, mit einer Reihe von Regeln und Ritualen, die nicht verändert werden dürfen. Gerade in diesem Sozialen Raum wird das Sakrale oft zum Instrument der Verteidigung nicht so sehr des Reichs Gottes, sondern der „Heiligkeit„ des Staates. Solch „sakrale„ Räume sind unantastbar: Sie dürfen nicht angezweifelt, kritisiert oder verspottet werden. Hier spürt man zu sehr den erhobenen Zeigefinger: „Das darf man nicht sagen!„, „So darf man nicht zeichnen!„, „So darf man nicht tanzen!„ u.s.w. So geschieht eine Sakralisierung des Profanen, werden „heilige„ Räume geschaffen, in die niemand das Recht hat, einzudringen. Nachdem solch pseudosakrale Räume mit für den Menschen heiliger Symbolik gefüllt werden, treten bei geringfügigen Verstößen Konfliktsituationen auf. In letzter Zeit kommt es in russischsprachigen Medien immer häufiger zu Diskussionen, manchmal auch zu Informationskriegen rund um Begriffe wie Blasphemie und Sakrales. Für dieses Phänomen gibt es mehrere Gründe: das ist sowohl ein Verlust der sakralen Bedeutung der kommunistischen Ideologie als auch die Wiedergeburt der traditionellen Religionen, Meinungsvielfalt und die Suche nach Identität. Die Analyse des Materials machte es möglich, jene sprachlichen Mittel zum Vorschein zu bringen, mit Hilfe derer sie reproduziert werden und das Sozialleben bestimmen.



Nach oben

Druckbare Version